Biodiversität in Kommunen im Ländlichen Raum

Tännesberg war am 08.und 09. Juni 2016 Veranstaltungsort einer Tagung mit dem Titel „Biodiversität in Kommunen im ländlichen Raum“. Die Tagung wurde in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) durchgeführt.

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Namhafte Referenten, wie der Amtschef des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Christian Barth sowie der Vorstand des Bayerischen Naturschutzfonds, Georg Schlapp, vermittelten den Teilnehmern überzeugend, dass der Einsatz für die biologische Vielfalt in Kommunen, insbesondere im ländlichen Raum, zukunftsorientierte und nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Die oberpfälzer Marktgemeinde ist bekannt für ihr Engagement für den Erhalt der Biologischen Vielfalt. Sie ist die erste Biodiversitätsgemeinde Deutschlands und bildet zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V., dem BUND Naturschutz in Bayern e.V., der Wildland-Stiftung Bayern und dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald eine einzigartige Projekt-Trägergemeinschaft. Dieses Engagement wird vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der Glücksspirale gefördert.

Der Austausch und die Zusammenarbeit Tännesbergs mit anderen Gemeinden sollen dem Schutz der biologischen Vielfalt in Bayern zu gute kommen: derzeit wird ein „Kommunaler Handlungsleitfaden“ entwickelt, der helfen soll, Biodiversitätsziele für Kommunen umsetzbar zu machen. Die Ergebnisse der Tagung werden in diesen Leitfaden mit einfließen.

Über viele Jahre wurden von der Trägergemeinschaft in zahlreichen gemeinsamen Projekten Erfahrungen gewonnen, die nun einem Publikum aus Vertretern bayerischer Städte und Gemeinden, Fachbehörden, Planungsbüros und anderen am Naturschutz interessierten Teilnehmern nähergebracht wurden. Die sehr gut besuchte zweitägige Veranstaltung bot ein ausgezeichnetes Forum für vielfältigen Erfahrungsaustausch zwischen interessierten Kommunen sowie Projektträgern. Durch die Darstellung konkreter Beispiele, wie innerörtliche Grünflächenpflege und regionale Vermarktungskonzepte, konnten neue und erfahrene Mitstreiter im Einsatz für die Biodiversität Anregungen finden und aktiviert werden.

„Die langfristige Förderung zeigt uns, dass Tännesberg mit seiner Idee, sich ganz der biologischen Vielfalt zu verschreiben, einen richtigen Weg eingeschlagen hat, der der Gemeinde in vielfältiger Weise zugute kommt“, bekräftigte Bürgermeister Max Völkl bei der Begrüßung der Tagungsteilnehmer und bedankte sich beim Bayerischen Naturschutzfonds und den vier Projektträgern für die großartige Unterstützung.

Die Themen der 15 Redebeiträge waren breit gefächert. Der Bogen spannte sich vom Nutzen, den Kommunen aus ihrem Engagement für die Biologische Vielfalt ziehen können, über Möglichkeiten, erfolgreich Naturschutzmaßnahmen auf kommunalen Flächen umzusetzen bis hin zur Wertschöpfung durch die Erzeugung regionaler Produkte. Beispiele für erfolgreiche Strategien boten unter anderem die Erfahrungen aus der Biodiversitätsgemeinde Tännesberg.

Dr. Christian Barth vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz betonte die wichtige Rolle der Kommunen bei der Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie, einem ressortübergreifenden Programm, das der Freistaat dem Artensterben und dem Verlust alter Sorten und Haustierrassen entgegensetzt: „In der Modellgemeinde Tännesberg arbeiten Landnutzer, professionelle Naturschützer und Ehrenamtliche Hand in Hand zusammen. Diese Kooperation unterschiedlicher Partner im ländlichen Raum bringt allen Gewinn. Das ist der Weg der Zukunft!“

„Biodiversität in Kommunen – Das macht Sinn“, lautete der Titel des Vortrags von Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag, der ein wichtiger Partner für die zukünftige Zusammenarbeit mit bayerischen Kommunen ist. Ziel ist der Aufbau eines kommunalen Netzwerks Biodiversität. „Biodiversität im ländlichen Raum: Ein Mehr an Lebensqualität, ein Identifikationsthema für die eigene Bevölkerung sowie ein Motor für den Tourismus zeigen, dass sich die Gemeinde Tännesberg auf dem richtigen Weg befindet“, so Herr Simon.

Georg Schlapp vom Bayerischen Naturschutzfonds referierte über Erfolgsfaktoren bayerischer Naturschutzprojekte und hob besonders hervor, dass „ein engagierter Kümmerer als Motor sowie begeisternde Ehrenamtliche, die für Akzeptanz vor Ort sorgen, maßgebliche Faktoren für den Erfolg von Naturschutzprojekten sind.“

 

Ausflug in die Tännesberger Feldflur

Bei einer gemeinsamen Exkursion ins Gemeindegebiet am Nachmittag des zweiten Tages wurden Beispiele für die Schaffung wertvoller Biotopflächen, Bausteine eines Biotopverbundes in der Feldflur und Ideen zur naturfreundlichen Bewirtschaftung von innerörtlichen Gemeindeflächen vorgestellt.

Bunte Wegraine und Blumenwiesen, prächtige Orchideen-Feuchtwiesen im Kainzbachtal und das Beweidungskonzept durch die alte, oberpfälzer Rinderrasse „Rotvieh“ überzeugten und ließen erkennen, das die in Tännesberg umgesetzten Projekte und Aktionen hohe ökologische Zinsen bringen. Mit diesen eindrucksvollen Impressionen und neuen Ideen im Kopf kehrten die Tagungsteilnehmer in ihre Kommunen heim, um zusammen mit der lokalen Bevölkerung hoffentlich eigene Umsetzungsprojekte für die biologische Vielfalt zu starten.