Birkwild-Auswilderung in der Rhön

Auf Betreiben der Wildland-Stiftung Bayern wurden von 2010 bis 2014 und erneut seit 2016 in Schweden gefangene Birkhühner in der Rhön ausgewildert.

Ausgezeichnetes Projekt der
UN-Dekade Biologische Vielfalt

Logo Rhönsprudel_10cmWir danken der Firma Mineralbrunnen Rhön-Sprudel für die Unterstützung im Projekt „Birkwild in der Rhön“.

BNFsDie Stelle des Gebietsbetreuers wird gefördert über den Bayerischen Naturschutzfonds.

Die Birkwildpopulation in der Rhön war seit Jahren rückläufig, obwohl man sich in der Vergangenheit auch seitens der Wildland-Stiftung Bayern um eine Verbesserung der Lebensräume bemüht hat. Auffällig war stets vor allem die geringe Reproduktion des Bestandes. Häufig wurden nur einzelne Jungvögel mit der führenden Henne beobachtet. Die Universität Freiburg führte deshalb im Jahr 2009 genetische Untersuchungen und eine Machbarkeitsstudie zu den Erfolgsaussichten einer Blutauffrischung durch. Die Studien belegen eine genetische Verarmung der Rhöner Birkwildpopulation. Ob sich diese bereits in dem verminderten Aufzuchtserfolg auswirkte, konnte von den Wissenschaftlern jedoch nicht eindeutig beantwortet werden. Die Machbarkeitsstudie kam jedoch zu dem Schluss, dass eine Bestandesstützung durch Wildfänge, verbunden mit einer deutlichen Ausweitung des geeigneten Lebensraums auf eine Größe von 5.000 Hektar helfen könnte, das Aussterben zu verhindern. So wurde das Projekt „Birkhuhn 5000″ der Wildland-Stiftung Bayern und ihrer Projektpartner geboren. Es wurde durch die Regierung von Unterfranken unterstützt. Unter anderem beinhaltete es das jährliche Auswildern von Birkwild über eine Zeit von fünf Jahren, also bis 2014. Die Tiere dafür stammten aus Schweden, wo die Wildart noch so häufig ist, dass sie regelmäßig und mit großen Strecken bejagt werden kann.
Dank der Genehmigung durch das Schwedische Zentralamt für Naturschutz konnten daraufhin jährlich maximal 15 Tiere gefangen und nach Deutschland exportiert werden.

Birkwild in der Rhön: Auswilderungsprojekt verlängert

27.04.2016: – Gebietsbetreuer Torsten Kirchner war mit Berufsjäger Christian Lintow und seinem hessischen Kollegen Georg Sauer Ende April mit einem Fangteam nach Schweden gereist, um für die neue Phase im Auswilderungsprojekt den dortigen Fang vorzubereiten. Das Schwedische Zentralamt für Naturschutz hatte die Fanggenehmigung in Mittelschweden verlängert und stockte die Anzahl sogar auf ein Maximum von 25 Vögeln pro Jahr auf. Erfreulich war das Lob des Mitarbeiters der schwedischen Behörde, Dr. Michael Schneider, der kürzlich bei einem Treffen der Raufußhühnerexperten die Abwicklung und Dokumentation des Rhönprojekts als vorbildlich und damit als Messlatte für andere Translokationsprojekte hervorhob.
Die umfangreichen Aufbauarbeiten der Fangsysteme auf den schwedischen Balzplätzen brachten dann auch reichlich Erfolg. Zehn Hähne und 15 Hennen wurden gefangen und in bester Kondition in die Rhön verfrachtet. Ein Teil der Vögel wurde wieder besendert, um die Auswilderung und den Verbleib der schwedischen Vögel zu dokumentieren. Die Transporte konnten in Kooperation mit einem niederländischen Birkwildprojekt durchgeführt werden. Nun hoffen die Projektbetreuer auf optimale Witterungsbedingungen während der Aufzuchtszeit. Die intensive Prädatorenbejagung durch Berufsjäger Lintow wird derzeit durch Installation weiterer Fangsysteme erweitert.

 

Fünf Jahre Auswilderung – ein Fazit

2014: – „Ohne die Auswilderung gäbe es in der Rhön wohl kein Birkwild mehr“, schätzte Gebietsbetreuer und Wildland-Mitarbeiter Torsten Kirchner bei einem offiziellen Termin Ende Oktober 2014 zum Ende der ersten Auswilderungsperiode. So wurde deutlich, dass man das Aussterben einer spektakulären Art in einer wunderschönen Landschaft wohl in letzter Sekunde verhindern konnte. Nun erfolgt ein Bericht an die schwedischen Behörden, die den Fang dortiger Wildvögel genehmigt hatten. Damit soll ein neuer Antrag in die Wege geleitet werden, damit der eingeschlagene Erfolgskurs weiter verfolgt werden kann. Die telemetrischen Untersuchungen haben gezeigt, dass mehr als 50 Prozent der ausgewilderten Hähne und ca. 30 Prozent der Hennen den Lebensraum in der Rhön angenommen haben und sich dort etablieren konnten. Mit drei erfolgreichen Gesperren im Jahr 2014, darunter eines von einer frisch ausgewilderten Henne, haben sich die schwedischen Tiere auch genetisch in der Rhön festgesetzt. Weiterhin zeigte sich, dass dank der intensiven Fangjagd durch den Berufsjäger der Wildland, Christian Lintow, die Überlebenschancen für ausgewilderte Birkhühner, Nester und Jungvögel deutlich gestiegen sind.

Mit diesen guten Nachrichten im Gepäck begrüßte Enno Piening, Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands (BJV), die Projektpartner im Rhöner Birkwildprojekt, die unter Federführung der Wildland-Stiftung Bayern an der Auswilderung beteiligt waren. Der Landrat des Kreises Rhön-Grabfeld, Thomas Habermann, appellierte an alle, mit den Bemühungen um das Birkwild nicht nachzulassen, denn auf der Hohen Rhön gelte es, „das für die Zukunft zu bewahren, was sonst keiner hat“. Das gute Zusammenspiel der Naturschutzbehörden, an erster Stelle der Regierung von Unterfranken, mit der Jägerschaft, die sich im Birkwildhegering schon seit Ende der 1960er Jahre engagiert, konnte dazu führen, dass Biotoppflege, Bejagung der natürlichen Feinde und genetische Auffrischung nun offenbar Früchte tragen. Eine tragende Rolle kommt im Naturschutzgebiet Lange Rhön dem Birkwildhegering mit seinem Vorsitzenden Christoph Helm zu.

Die Stelle des Gebietsbetreuers wird kofinanziert über den Europäischen Sozialfonds und den Bayerischen Naturschutzfonds.

Rhönsprudel unterstützt das Engagement der Wildland-Stiftung Bayern in der Rhön.

Endphase des ersten Birkwildauswilderungs-Projekts

15. Mai 2014: – Im fünften und vorerst letzten Projektjahr der Auswilderung konnte im April 2014 wieder schwedisches Birkwild in die Rhön gebracht werden. Gebietsbetreuer Torsten Kirchner und sein Kollege Christian Lintow fingen mit Unterstützung der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön und weiteren Freiwilligen fünf Hähne und acht Hennen in Mittelschweden und entließen sie in die neue Heimat im Naturschutzgebiet Lange Rhön. Ein Teil der Vögel erhielt einen Sender, so dass ihr Verbleib in der Rhön kontrolliert werden kann. Aus den Ergebnissen der Telemetrie der vergangenen Jahren ist bekannt, dass rund 50 Prozent der Hähne im Gebiet verweilen, während sich von den schwedischen Hennen nur ca. 20 Prozent ortstreu verhalten. Dafür gab es auch außerhalb des Naturschutzgebiets Beobachtungen von Hennen.

Alle Projektbeteiligten hoffen nun, dass sich der Aufwand lohnt, sich die Schwedenhühner gut akklimatisieren, im Gebiet zurechtfinden und sich vor allem an der Balz und hoffentlich auch am Brutgeschehen in der Rhön beteiligen. Weiterhin stehen Biotopmaßnahmen zur Lebensraumverbesserung sowie die konsequente Prädatorenkontrolle an vorderster Stelle, um das Überleben des Birkwilds in der Rhön zu sichern.
Der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates danken wir für die Beteiligung mit einem eigenen Fahrzeug. Unsere schwedischen Kontaktmänner Stefan Karlsson und Lars Persson sind eine wichtige Hilfe und zu freundschaftlichen Unterstützern der Fangaktionen geworden. Ebenso geht unser Dank an die Schwedische Forstbehörde Sveaskog für die logistische Unterstützung.

 

Birkwildauswilderung im vierten Jahr und endlich wieder Nachwuchs

Herbst 2013: – Auch im vierten Jahr konnte Gebietsbetreuer Torsten Kirchner mit Kollegen das erlaubte Fangkontingent schwedischen Birkwilds voll nutzen. Sieben Hennen und acht Hähne brachten sie im Frühjahr 2013 in das Naturschutzgebiet „Lange Rhön“, wo sich die Vögel in ihrem neuen Lebensraum eingewöhnen und, so die Hoffnung, mit den bayerischen Hühnern für Nachwuchs sorgen sollten. Das war im Vorjahr wohl geglückt: Gebietsbetreuer Torsten Kirchner konnte nach zwei erfolglosen Brutjahren im Jahr 2013 erstmals wieder ein voll geschlüpftes Gelege von Birkwild nachweisen konnte. Die Beobachtung des Gesperres aus drei Jungvögeln ist mehrfach geglückt. Dürfen wir dies als gutes Zeichen werten und Hoffnung schöpfen für das Überleben des Birkwilds in der Rhön?

Birkwild im dritten Jahr in die Rhön entlassen

11. Mai 2012: – Torsten Kirchner, Gebietsbetreuer im Naturschutzgebiet „Lange Rhön“, und sein Kollege Christian Lintow fingen zusammen mit ihrem hessischen Kollegen Georg Sauer und weiteren Helfern im dritten Jahr in Mittelschweden Birkwild, um die kleine Restpopulation in der Rhön vor dem drohenden Aus zu bewahren. Dieses Frühjahr sind acht Hähne und sechs Hennen in die Rhön entlassen worden. Damit soll die genetische Depression überwunden werden und ein Anschub in der Fruchtbarkeit der Population erfolgen. Ob dieser Versuch von Erfolg gekrönt ist, wird sich zwar erst nach Ablauf der fünf Projektjahre zeigen, die Birkwildzählung im Frühjahr 2012 hat aber leise Hoffnungen geweckt. Neun Hähne und drei Hennen konnten bei einer intensiven Balz beobachtet werden – mehr als erwartet. Auch Landrat Thomas Habermann unterstützt das Birkwildprojekt, denn die Art stehe als Leitart für das „Land der offenen Fernen“, wie er anlässlich eines Pressetermins am 11. Mai sagte.

Birkwild-Auswilderung 2011 erfolgreich fortgesetzt

Mai 2011: – Am Ende ging es unheimlich schnell: Ein kurzes, aber umso heftigeres Flattern, dann schießt der Vogel regelrecht aus der Transportkiste und davon: Ein weiterer schwedischer Birkhahn ist in der Rhön angekommen.

Insgesamt 15 Birkhähne haben Mitarbeiter der Wildland-Stiftung Bayern, der bayerischen und hessischen Biosphärenreservatsverwaltung, des Vereins Naturpark und Biosphärenreservat Rhön sowie Mitglieder und Freunde der bayerischen und hessischen Birkwilhegeringe 2011 während zweier Aufenthalte in Mittelschweden gefangen und in die Rhön transportiert.

Wie Torsten Kirchner ist auch der Leiter des bayerischen Birkwildhegerings, Christoph Helm, zuversichtlich, dass sich die schwedischen Birkhähne bei der Balz einbringen und zur erstrebten genetischen Auffrischung des Rhöner Birkwildbestands beitragen. Letztlich müsse man sich gedulden, denn das Auswilderungsprojekt sei auf fünf Jahre angelegt, und erst danach werde abgerechnet, betont der Birkwildhegeringleiter. Nachdem erhebliche Lebensraumverbesserungen durchgeführt worden seien, ist nun eine scharfe Prädatorenbejagung entscheidend. Mit der Anstellung des neuen Berufsjägers, Christian Lintow, setzt die Wildland-Stiftung Bayern hier erneut einen Schwerpunkt.

Erste Auswilderung im Jahr 2010

Frühjahr 2010: – Erstmals konnten Gebietsbetreuer Torsten Kirchner und Wildland-Mitarbeiter Andreas Carl zusammen mit Vertretern des hessischen Birkwildhegerings im Frühjahr 2010 während der Balz neun Hähne und zwei Hennen fangen und unbeschadet in das Naturschutzgebiet Lange Rhön verfrachten.
Die Neulinge aus Schweden erkannten schnell die geeigneten Lebensraumstrukturen ihrer neuen Heimat und vertrugen sich offenkundig gut mit den Einheimischen. Da zehn der ausgewilderten Vögel besendert waren, konnte ihr Verbleib gut verfolgt werden. Leider wurden 50 Prozent im Laufe des Jahres Opfer von Beutegreifern – überwiegend Fuchs und Habicht. Von drei Tieren fehlt jede Spur, so dass derzeit nur noch ein schwedischer Hahn regelmäßig in der Rhön gepeilt werden kann. Ein weiterer Hahn wurde mit defektem Sender das letzte Mal im Oktober beobachtet. Wenn auch die Verluste der ausgewilderten Hühner hoch erscheinen, so besteht doch im Frühjahr 2011 die realistische Möglichkeit, dass sich der verbliebene schwedische Hahn genetisch einbringen und die drohende Inzucht stoppen kann.