Prädatorenjagd für den Artenschutz

Die Wildland-Stiftung Bayern engagiert sich seit 1988 zum Schutz der Wiesenbrüter im Haarmoos. Im Sommer lud die Untere Naturschutzbehörde zu einem Diskussionsabend mit der Jägerschaft zum Thema „Prädatorenjagd für den Artenschutz“.

Dem Haarmoos im Landkreis Berchtesgadener Land kommt als größtem Wiesenbrütergebiet Südostbayerns eine hohe Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu. Neben dem Brutvorkommen des Großen Brachvogels (mit sieben Brutpaaren im Jahr 2016) sind auch Wachtelkönig, Kiebitz, Bekassine und die Singvogelarten Feldlerche, Wiesenpieper, Braunkehlchen und Schwarzkehlchen im Haarmoos zu Hause. Daher gibt es bereits seit Jahrzehnten gemeinsame Bemühungen von Naturschutzbehörden und –verbänden, die Arten im Haarmoos zu erhalten und zu fördern. Die Wildland-Stiftung Bayern besitzt rund 6,8 Hektar wertvolle Naturschutzflächen.

Der Landkreis Berchtesgadener Land ist einer der wenigen Landkreise in Bayern, in dem die untere Naturschutzbehörde und die untere Jagdbehörde einen Fachbereich bilden. Dies vereinfacht die interdisziplinäre Zusammenarbeit. So fand am 30.06.2016 auf Initiative und unter der Moderation der unteren Naturschutzbehörde ein Diskussionsabend mit dem Thema „Prädatorenbejagung für den Artenschutz im Haarmoos“ statt. Eingeladen waren die Pächter der betroffenen Reviere und deren Mitgeher, der Jagdberater, die Jagdvorsteher, der Hegeringleiter, ein Mitarbeiter der ANL (Naturschutzakademie) und Geschäftsführer Eric Imm von der Wildland-Stiftung Bayern.

Simone Holzner von der unteren Naturschutzbehörde betonte, dass die wichtigste Voraussetzung für den Wiesenbrüterschutz ein geeigneter Lebensraum ist, erst dann greife Prädatorenmanagement richtig. Der Verlust von Einzelindividuen durch Prädation innerhalb einer geschwächten Restpopulationen von Wiesenbrütern wirke sich besonders negativ aus und hat größere Auswirkungen als in stabilen Populationen.

Es wurden Forschungsergebnisse zum Thema Prädatorenmanagement und Wiesenbrüterschutz und die Haupt-Erkenntnisse daraus vorgestellt:

  • Beim Ausräumen von Gelegen stehen Säuger wie Fuchs und Marder an erster Stelle.
  • Bereits geschlüpfte Küken werden häufig von anderen Vogelarten wie beispielsweise der Rabenkrähe dezimiert (Vorsicht bei solchen Beobachtungen: Küken könnten auch schon vorher tot gewesen sein!)
  • Wichtig ist das Instrument der Fallenjagd, um auch nachtaktive Raubsäuger zu fangen. Durch die Fallenjagd erfolgt ein umfassender Eingriff in das Spektrum der vorkommenden Raubsäuger (Iltisse, Hermeline, Marder, Fuchs, …). Wenn nur einzelne Arten selektiv bejagt werden, rücken ansonsten andere Arten nach. Wichtig ist die effiziente und störungsarme Kontrolle der Fallen.
  • Die Bejagung sollte entsprechend der gültigen Gesetzgebung bis in den Spätwinter erfolgen, damit Neubesetzungen freier Reviere der Prädatoren nur noch in geringem Umfang zu erwarten sind.

Prädatorenbejagung ist vor allem bei gestörten Populationen zielführend. Aus naturschutzfachlicher Sicht soll so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig eingegriffen werden. Ziel ist es, eine Verjüngung des Bestandes des Großen Brachvogels zu erzielen. Dieser Vogel wird bis zu 30 Jahre alt, ein Einbruch des Bestandes im Haarmoos geschieht also schleichend, wenn über Jahre kein Nachwuchs aufkommen kann.

Die Jäger der Reviere im Haarmoos sind motiviert, die Prädatorenbejagung wieder neu anzugehen und wollen sich künftig wieder besser gemeinsam organisieren. Die erste  Annäherung von Jägern und Naturschutzbehörde soll auf jeden Fall zu weiterem Austausch führen und es werden weitere Überlegungen angestellt, wie die Bedingungen für die Wiesenbrüter im Haarmoos gemeinsam verbessert werden können.

Simone Holzner

 

 

Aktuelles zu diesem Projekt

Wiesenbrüter im Haarmoos (18. August 2015)
Kiebitz (Vanellus vanellus) (10. Mai 2015)