Naturpark Bayerischer Wald: Erfolgsmodell Wasserbüffel auf Feuchtflächen

Die Flächen mit extensiver Wasserbüffelbeweidung nahmen in den vergangenen Jahren im Landkreis Freyung-Grafenau kontinuierlich zu. Für die Biodiversität und den Wasserrückhalt ist das eine gute Nachricht.

Wasserbüffel eigen sich hervorragend für Naturschutzbeweidungen, insbesondere von Auen. Sie öffnen die dortige Vegetation durch Fraß, Tritt sowie das Anlegen von Suhlen und bringen die an den meisten Fließgewässern verlorengegangene Dynamik in diese Lebensräume zurück. Zahlreiche Arten profitieren von dieser Entwicklung. Im Naturpark-Wasserbüffelprojekt Erlauzwiesel bei Waldkirchen haben sich, wie das dortige Monitoring zeigt, bereits nach zwei Jahren der Beweidung die gesetzlich geschützten Offenlandbereiche um 20 Prozent vergrößert. Aus Springkrautfluren entwickelten sich Nasswiesen mit Binsen und Seggen. Die Vegetationsstruktur vormals monotoner Grasbestände wurde aufgelockert und ist wesentlich reicher an Kräutern. Weidengebüsche wurden stark ausgelichtet und wichen einer artenreichen Nasswiesenvegetation. Insgesamt hat sich die Zahl der Pflanzenarten nahezu verdoppelt.

Wasserbüffelweiden

In den vergangenen vier Jahren konnten die vom Naturschutz begleiteten Wasserbüffelweiden von sechs auf insgesamt 36 Hektar Weidefläche – verteilt auf mittlerweile zwölf Einzelflächen – ausgeweitet werden. Alle Flächen waren bereits vor der Beweidung in der Landschaftspflege. Das heißt, sie sind für eine konventionelle Grünlandbewirtschaftung aufgrund ihrer Nässe und weiterer Faktoren ungeeignet. Wichtigster Partner für den Naturpark ist dabei die Wildland-Stiftung Bayern – Naturschutzstiftung des Bayerischen Jagdverbands. Auf vier Flächen der Wildland-Stiftung mit insgesamt 11,2 Hektar haben sich extensive Wasserbüffelweiden etabliert. Erst im Jahr 2025 wurde eine in den Vorjahren aufwendig mit Spezial-Mähtechnik gepflegte Nasswiese bei Annathal in eine Büffelweide umgewandelt. Wichtig ist dabei der intensive Austausch mit den Tierhaltern. Mittlerweile sind alle drei Wasserbüffelhalter im Landkreis Freyung-Grafenau in Naturschutz-Beweidungsmaßnahmen eingebunden. Einer von ihnen ist Manuel Lenz aus Hinterschmiding. Acht seiner derzeit 25 Wasserbüffel setzt er in diesem Jahr für Naturschutzprojekte ein.

Beweidung für mehr Biodiversität

Manuel Lenz beweidet mit seiner Herde nun auch die Wildland-Fläche in der Nähe von Annathal. Zusammen mit Naturparkmitarbeitern und dem Tierhalter überzeugte sich Robert Boese, Mitarbeiter der Wildland-Stiftung, in diesem Sommer selbst vom Erfolg der Maßnahme. Boese zeigte sich beeindruckt von der Entwicklung: „Biodiversität und die Schaffung von Trittsteinen für mehr Artenvielfalt mit unseren Flächen ist genau das, was wir als Wildland-Stiftung Bayern und Bayerischer Jagdverband möchten. Und hier ist das auf einem wunderbaren Weg.“ Zudem ist bekannt, dass Offenlandflächen für viele Wildtiere unattraktiv werden, sobald sie verbrachen. Der Grundsatz, dass alle Naturpark-Wasserbüffelweiden auch wilddurchlässig sein müssen, ist natürlich im Interesse der Wildland-Stiftung sowie der durch sie repräsentierten bayerischen Jäger. Einige der Wildland-Flächen gehören ohnehin zu den Naturschutzjuwelen des Landkreises Freyung-Grafenau. Auf der Fläche bei Annathal wurden der Böhmische Enzian und die Waldbirkenmaus nachgewiesen, beide zählen zu den seltensten Arten in Bayern und sind vom Aussterben bedroht. Zudem zählt diese Fläche zu den regional wichtigsten Populationsquellen des Grasfrosches. Beim Thema extensive Beweidung mit Wasserbüffeln oder anderen Naturschutzmaßnahmen ziehen alle Naturschutzakteure im Landkreis Freyung-Grafenau an einem Strang. Die Projekte des Naturparks Bayerischer Wald und der Wildland-Stiftung Bayern werden mit Fördermitteln des Bayerischen Umweltministeriums über die Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinie (LNPR) unterstützt.

Text: R. Boese

Bilder: M. Müller (Naturpark Bayerischer Wald), M. Lenz

Mitarbeiter der Wildland-Stiftung, Robert Boese (Mitte) überzeugt sich zusammen mit Wasserbüffelhalter Manuel Lenz (l.) und Stefan Poost vom Naturpark Bayerischer Wald (r.) vom Erfolg der Wasserbüffelbeweidung.

Wildland-Stiftung Bayern wieder im Sudetenhaus Waldkraiburg aktiv

Nur was Kinder mit allen Sinnen erleben, wird auch wirklich wahrgenommen und bleibt im Gedächtnis. Um dem gelebten Naturschutz wieder gerecht zu werden, haben die Wildland-Stiftung Bayern und die Kreisgruppe Mühldorf am Inn den Treffpunkt Wildland auf dem Gelände des Schullandheims „Haus Sudetenland“ wiederbelebt.

Der „Treffpunkt Wildland“ und der „Na-Ku-Wu-Pfad“ sind eine Umweltbildungs-Initiative der Wildland-Stiftung Bayern. Sie wurde 1997 zusammen mit den Jägern der Kreisgruppe Mühldorf am Inn ins Leben gerufen und 2001 mit Beteiligung der Kreisgruppe Altötting als außerschulische Umweltbildungsinitiative angeboten. Der „Na-Ku-Wu“-Lehrpfad wurde im Jahr 2007 gemeinsam mit dem Schullandheim „Haus Sudentenland“ auf einem etwa drei Hektar großen Gelände in Waldkraiburg eröffnet. Unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ wurden im Laufe der Jahre tausende Schüler und Interessierte auf dem Gelände betreut. In regelmäßigen Abständen findet man in vielen Publikationen Klagen darüber, dass Kinder und Jugendliche keine Ahnung mehr von unserer heimischen Natur haben. Zwar kennen sie aus den sozialen Medien oder aus dem Tierpark noch Löwen, Elefanten, Giraffen oder Zebras, aber das heimische Reh können sie nicht vom Rothirsch unterscheiden. Häufig kennen sie mehr Automarken als einheimische Baum- oder Vogelarten. Vom Bedauern dieser Zustände allein wird es jedoch nicht besser. Interesse und Neugier für Flora und Fauna sowie unsere Wildtiere können wir nur wecken, wenn es gelingt, alle diese Themen richtig spannend zu vermitteln.

Im Oktober 2025 konnten wir bereits die ersten Schüler einer Grundschule aus München begrüßen und es sind weitere Termine bis 2026 gebucht. Die beiden Jägerinnen Sonja Hundhammer von der Jagdschule Hundhammer und Michaela Löffl, Öffentlichkeitsreferentin der Kreisgruppe Mühldorf am Inn, haben mit ihrem umweltpädagogischen Bildungsangebot „Schlaufüchse“ sowie der Unterstützung durch die Wildland-Stiftung Bayern und deren Kreisgruppenvorsitzenden Sascha Schnürer ein interessantes und erlebbares Programm zusammengestellt, was alle Sinne der Kinder schärfen soll. Neben einem Pirschpfad, auf dem die Kinder Spuren von Wildtieren entdecken und zuordnen konnten, wurde der Lebensraum von Wildtieren erkundet, die Nahrungskette aufgezeigt und auch die Rolle des Menschen besprochen. Es war den Jägerinnen besonders wichtig, den Kinder die Verantwortung jedes Einzelnen für die Umwelt aufzuzeigen und Pflanzen, Pilze und Tiere mit Respekt zu behandeln. Beim Tierweitsprung durften sich Schüler wie Lehrer mit der Sprungweite von Hase, Fuchs und Reh messen. Ein besonderes „Zuckerl“ für die Kinder hatte Sonja Hundhammer noch dabei: Nach dem erlebnisreichen Programm zeigte die Falknerin den Kindern ihre Wüstenbussard-Dame „Rapunzel“ und der spannende Tag endete mit einer kleinen Greifvogel-Flugschau. Die Schüler waren begeistert und unser Anspruch wurde mehr als erfüllt. Der „Treffpunkt Wildland“ in Waldkraiburg ist wiedererwacht.