Unsere Projekte

Die Wildland-Stiftung Bayern ist Trägerin von rund 150 landesweit bedeutsamen Artenschutzprojekten zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Die Stiftung legt in ihrer Arbeit stets großen Wert auf die Akzeptanz der Bevölkerung: Je größer das Wissen über den Wert der Natur in der Öffentlichkeit ist, desto eher sind Verständnis und Bereitschaft zur Mitarbeit zugunsten der Natur zu erwarten.

Bei allen Naturschutzprojekten der Stiftung steht der Erhalt der biologischen Vielfalt im Vordergrund, auch wenn manche Projekte nach einer Leittierart benannt sind, beispielsweise „Birkwild in der Rhön“. Die Leittierarten zeichnen sich dabei durch besonders hohe und spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum aus, die wie ein Schirm auch die Bedürfnisse vieler anderer Arten abdecken. Von Schutzmaßnahmen für die Leitart profitiert immer die gesamte Lebensgemeinschaft.

Viele der Projekte werden über das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Mitteln der Jagdabgabe gefördert.

An dieser Stelle finden Sie Informationen zu unseren wichtigsten Projekten aufgegliedert nach Regierungsbezirken (wie unter der Navigation rechts oben):

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Naturpark Bayerischer Wald: Erfolgsmodell Wasserbüffel auf Feuchtflächen

Die Flächen mit extensiver Wasserbüffelbeweidung nahmen in den vergangenen Jahren im Landkreis Freyung-Grafenau kontinuierlich zu. Für die Biodiversität und den Wasserrückhalt ist das eine gute Nachricht.

Wasserbüffel eigen sich hervorragend für Naturschutzbeweidungen, insbesondere von Auen. Sie öffnen die dortige Vegetation durch Fraß, Tritt sowie das Anlegen von Suhlen und bringen die an den meisten Fließgewässern verlorengegangene Dynamik in diese Lebensräume zurück. Zahlreiche Arten profitieren von dieser Entwicklung. Im Naturpark-Wasserbüffelprojekt Erlauzwiesel bei Waldkirchen haben sich, wie das dortige Monitoring zeigt, bereits nach zwei Jahren der Beweidung die gesetzlich geschützten Offenlandbereiche um 20 Prozent vergrößert. Aus Springkrautfluren entwickelten sich Nasswiesen mit Binsen und Seggen. Die Vegetationsstruktur vormals monotoner Grasbestände wurde aufgelockert und ist wesentlich reicher an Kräutern. Weidengebüsche wurden stark ausgelichtet und wichen einer artenreichen Nasswiesenvegetation. Insgesamt hat sich die Zahl der Pflanzenarten nahezu verdoppelt.

Wasserbüffelweiden

In den vergangenen vier Jahren konnten die vom Naturschutz begleiteten Wasserbüffelweiden von sechs auf insgesamt 36 Hektar Weidefläche – verteilt auf mittlerweile zwölf Einzelflächen – ausgeweitet werden. Alle Flächen waren bereits vor der Beweidung in der Landschaftspflege. Das heißt, sie sind für eine konventionelle Grünlandbewirtschaftung aufgrund ihrer Nässe und weiterer Faktoren ungeeignet. Wichtigster Partner für den Naturpark ist dabei die Wildland-Stiftung Bayern – Naturschutzstiftung des Bayerischen Jagdverbands. Auf vier Flächen der Wildland-Stiftung mit insgesamt 11,2 Hektar haben sich extensive Wasserbüffelweiden etabliert. Erst im Jahr 2025 wurde eine in den Vorjahren aufwendig mit Spezial-Mähtechnik gepflegte Nasswiese bei Annathal in eine Büffelweide umgewandelt. Wichtig ist dabei der intensive Austausch mit den Tierhaltern. Mittlerweile sind alle drei Wasserbüffelhalter im Landkreis Freyung-Grafenau in Naturschutz-Beweidungsmaßnahmen eingebunden. Einer von ihnen ist Manuel Lenz aus Hinterschmiding. Acht seiner derzeit 25 Wasserbüffel setzt er in diesem Jahr für Naturschutzprojekte ein.

Beweidung für mehr Biodiversität

Manuel Lenz beweidet mit seiner Herde nun auch die Wildland-Fläche in der Nähe von Annathal. Zusammen mit Naturparkmitarbeitern und dem Tierhalter überzeugte sich Robert Boese, Mitarbeiter der Wildland-Stiftung, in diesem Sommer selbst vom Erfolg der Maßnahme. Boese zeigte sich beeindruckt von der Entwicklung: „Biodiversität und die Schaffung von Trittsteinen für mehr Artenvielfalt mit unseren Flächen ist genau das, was wir als Wildland-Stiftung Bayern und Bayerischer Jagdverband möchten. Und hier ist das auf einem wunderbaren Weg.“ Zudem ist bekannt, dass Offenlandflächen für viele Wildtiere unattraktiv werden, sobald sie verbrachen. Der Grundsatz, dass alle Naturpark-Wasserbüffelweiden auch wilddurchlässig sein müssen, ist natürlich im Interesse der Wildland-Stiftung sowie der durch sie repräsentierten bayerischen Jäger. Einige der Wildland-Flächen gehören ohnehin zu den Naturschutzjuwelen des Landkreises Freyung-Grafenau. Auf der Fläche bei Annathal wurden der Böhmische Enzian und die Waldbirkenmaus nachgewiesen, beide zählen zu den seltensten Arten in Bayern und sind vom Aussterben bedroht. Zudem zählt diese Fläche zu den regional wichtigsten Populationsquellen des Grasfrosches. Beim Thema extensive Beweidung mit Wasserbüffeln oder anderen Naturschutzmaßnahmen ziehen alle Naturschutzakteure im Landkreis Freyung-Grafenau an einem Strang. Die Projekte des Naturparks Bayerischer Wald und der Wildland-Stiftung Bayern werden mit Fördermitteln des Bayerischen Umweltministeriums über die Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinie (LNPR) unterstützt.

Text: R. Boese

Bilder: M. Müller (Naturpark Bayerischer Wald), M. Lenz

Mitarbeiter der Wildland-Stiftung, Robert Boese (Mitte) überzeugt sich zusammen mit Wasserbüffelhalter Manuel Lenz (l.) und Stefan Poost vom Naturpark Bayerischer Wald (r.) vom Erfolg der Wasserbüffelbeweidung.

Schätze aus dem Isental – Braunkehlchen

Das Braunkehlchen wurde 2023 zum Vogel des Jahres gewählt, was bereits auf seine Gefährdung und Seltenheit hinweist. Früher war das Braunkelchen weit verbreitet und galt als Charakterart einer intakten Kulturlandschaft. Heute ist es in Bayern nur mehr regional verbreitet und laut Roter Liste vom Aussterben bedroht. Blickt man 25 Jahre zurück, so hat sich das Brutareal um mehr als ein Drittel verkleinert. Zudem ist die aktuelle Bestandsentwicklung immer noch stark rückläufig. Auch im Isental ist dieser Trend ganz deutlich zu erkennen. Nur mehr einzelne Tiere sind während des Durchzuges sowie der Brutzeit zu erspähen.Zu erkennen ist der eher unscheinbare, sperlingsgroße Fliegenschnäpper dabei an dem breiten und hellen Streifen über dem Auge. Aufgrund des weißen Überaugenstreifens ist das Braunkehlchen auch als „Wiesen-Kasperl“ oder „Wiesen-Clown“ bekannt. Wie im Spitznamen zu erkennen ist, bevorzugt das am Boden brütende Braunkehlchen offene Wiesenlandschaften mit extensiv genutzten Feuchtgrünland und strukturreichen Brachen oder alternativ auch Weidelandschaften als Lebensraum. Besonders beliebt sind erhöhte Strukturen wie z.B. Hochstauden entlang von Gräben und Brachstreifen, Zaunpfähle und einzeln Büsche als Sitzwarten für Reviergesang, zum Jagdansitz und zum Nestanflug. Entlang dieser Strukturen ist das Braunkehlchen mit viel Glück von April bis September im Isental zu erhaschen. Aktuell befinden sich der Langstreckenzieher im Überwinterungsgebiet südlich der Sahara in Afrika.

Bild: Erwin Wolf, mit finanzieller Unterstützung durch den Bayerischen Naturschutzfonds.

Schätze aus dem Isental – Sumpfschrecke

Aktuell befindet sich die Sumpfschrecke bereits bei der Überwinterung. Um den Winter zu überdauern, wurden im Sommer sogenannte Überwinterungseier in den feuchten Boden gelegt. Ab Mai schlüpfen hieraus dann die ersten Larven, die anschließend bis zur adulten Sumpfschrecke fünf Häutungen durchlaufen. Danach ist die Sumpfschrecke eine der größten und farbenprächtigsten Heuschreckenart. Die Unterseite der Schenkel sind auffällig rot gefärbt. Im hohen Gras sind sie trotz dessen nicht immer einfach zu sehen. Doch die Sumpfschrecke verrät sich meist durch ihren charakteristischer knipsigen Gesang. Die „Knips-Laute“ entstehen dabei durch eine ruckartige Bewegung der Hinterbeine. Genau wie viele andere Arten der Feuchtgebiete profitiert auch die Sumpfschrecke von einem intakten Biotopverbund. Sie ist als ausgewachsene Heuschrecke sehr mobil und besiedelt neue Lebensräume buchstäblich im Flug. Die Sumpfschrecke bevorzugt dabei ein Mosaik aus unterschiedlich feuchten Standorten innerhalb ihres Lebensraums und ist somit charakteristisch für Feuchtgebiete, wie dem Isental. Die Art zeigt eine enge Bindung an Lebensräume mit hohen Grundwasserständen. Im Isental ist die seltenen Sumpfschrecke vor allem in den extensiven Feuchtwiesen, entlang strukturreicher Gräben und an den feuchten Wiesenseigen zu finden. Einige dieser Lebensräume konnten in den letzten acht Jahren über das Projekt Natur.Vielfalt.Isental gesichert und auch wiederhergestellt werden. Anders als viele Arten ist die Sumpfschrecke ein Gewinner in Bezug auf den Klimawandel, wobei der zunehmende Lebensraumverlust durch den Landschaftswandel bedenklich ist. Intensiv genutzte Wiesen meidet die Art jedoch. In Bayern ist die Sumpfschrecke nach der Roten Liste stark gefährdet und somit ein seltener Schatz, den es zu bewahren gilt.

Bildquelle: Sandra Standbridge/stock.adobe.com

Schätze aus dem Isental – Kriechender Sellerie

Der Kriechende Sellerie ist in vielen europäischen Ländern heimisch, doch der Bestand ist meist stark rückläufig. Die konkurrenzschwache Pionierpflanze ist an nasse Standorte gebunden. Störstellen mit offenem Boden sind dabei für den Erhalt des Doldenblütlers essentiell. Nur hier kann sich die Art ansiedeln und erfolgreich blühen. Neben der generativen Vermehrung über Samen ist auch eine vegetative Fortpflanzung über oberirdische Ausläufer möglich. Welche Form vorkommt hängt von der Flächennutzung und den Standortbedingungen ab. So überwiegen bei häufig überfluteten Pflanzen die Ausläufer, während sich die Landformen meist über Samen vermehren. Gefährdet ist die Art u.a. durch die Nutzungsaufgabe und Bewirtschaftungsveränderungen. So ist sie weltweit stark gefährdet. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in Mitteleuropa und hier vor allem in Deutschland, das daher eine hohe Verantwortung für den Schutz und Erhalt hat. Auch im Isental gibt es auf extensive Weideflächen Restbestände. Durch den Fraß, den Tritt und das Suhlen der Wasserbüffel werden offene und lückige Bodenstellen im ehemaligen Niedermoor erzeugt. Durch diese Bewirtschaftung ist es möglich, kleinflächig diesen seltenen Schatz im Isental zu bewahren.

Bildquelle: C. Martin/piclease

Schätze aus dem Isental – Sumpf-Heidelibelle

Sumpf-Heidelibelle

Die Sumpf-Heidelibelle ist in Bayern extrem selten und nach der Roten Liste sogar vom Aussterben bedroht. Die Großlibellenart nutzt Überschwemmungszonen, Auentümpel, Wiesenseigen und Flachgewässer als Lebensraum und ist somit an die natürlichen Gegebenheiten entlang der Isen bestens angepasst. Das Paarungsverhalten der Sumpf-Heidelibelle ist unter allen Libellenarten einzigartig und eine kleine Besonderheit der Biologie. Noch vor Sonnenaufgang machen sich die Männchen auf, um nach den Weibchen zu suchen. Da zu dieser Tageszeit die weiblichen Tiere noch zu träge zum Fliegen sind, rasten diese meist an Binsen oder Seggen im Feuchtgrünland. Ist ein Weibchen ausgemacht, landet auf ihr das Männchen und beiden bilden ein Tandem. Mit der Wärme gegen Mittag wird auch das Weibchen aktiv. Erst jetzt wird gemeinsam als Tandem Richtung Gewässer geflogen. Hier wird die Paarung vollzogen und die Eier vom Weibchen über dem Gewässer abgestreift. Das Ei überdauert dabei im Gewässer den Winter. Erst im Frühling schlüpfen die Larven unter Wasser. Anschließend durchlaufen die Larve achtmal eine Häutung, um sich Weiterzuentwickeln und zu Wachsen. Vergleichsweise zu anderen Libellenarten ist die Anzahl der Häutung hier aber sehr gering sowie die Entwicklungszeit der Larven von etwa sechs bis acht Wochen sehr kurz. Somit ist diese Libellenart bestens an Gewässer angepasst, die im Sommer für eine kurze Zeit austrocknen. Der Schlupf der adulten Tiere ist zwischen Juni und Juli zu beobachten. Fliegend sieht man die Sumpf-Heidelibelle mit ihrer auffälligen Färbung bis in den Oktober hinein. Um die extrem seltene Art im Isental zu fördern, wurden über das Projekt Natur.Vielfalt.Isental neue wechselfeuchte Wiesenmulden angelegt und auch flache Uferstellen an Entwässerungsgräben geschaffen. Ob die neuen Habitate von der Sumpf-Heidelibelle angenommen werden und den Bestand stützen, ist über die nächsten Jahre hinweg zu beobachten.   

Bildquelle: Erwin Wolf, mit finanzieller Unterstützung durch den Bayerischen Naturschutzfonds.