28. April 2026
Die Flächen mit extensiver Wasserbüffelbeweidung nahmen in den vergangenen Jahren im Landkreis Freyung-Grafenau kontinuierlich zu. Für die Biodiversität und den Wasserrückhalt ist das eine gute Nachricht.
Wasserbüffel eigen sich hervorragend für Naturschutzbeweidungen, insbesondere von Auen. Sie öffnen die dortige Vegetation durch Fraß, Tritt sowie das Anlegen von Suhlen und bringen die an den meisten Fließgewässern verlorengegangene Dynamik in diese Lebensräume zurück. Zahlreiche Arten profitieren von dieser Entwicklung. Im Naturpark-Wasserbüffelprojekt Erlauzwiesel bei Waldkirchen haben sich, wie das dortige Monitoring zeigt, bereits nach zwei Jahren der Beweidung die gesetzlich geschützten Offenlandbereiche um 20 Prozent vergrößert. Aus Springkrautfluren entwickelten sich Nasswiesen mit Binsen und Seggen. Die Vegetationsstruktur vormals monotoner Grasbestände wurde aufgelockert und ist wesentlich reicher an Kräutern. Weidengebüsche wurden stark ausgelichtet und wichen einer artenreichen Nasswiesenvegetation. Insgesamt hat sich die Zahl der Pflanzenarten nahezu verdoppelt.
Wasserbüffelweiden
In den vergangenen vier Jahren konnten die vom Naturschutz begleiteten Wasserbüffelweiden von sechs auf insgesamt 36 Hektar Weidefläche – verteilt auf mittlerweile zwölf Einzelflächen – ausgeweitet werden. Alle Flächen waren bereits vor der Beweidung in der Landschaftspflege. Das heißt, sie sind für eine konventionelle Grünlandbewirtschaftung aufgrund ihrer Nässe und weiterer Faktoren ungeeignet. Wichtigster Partner für den Naturpark ist dabei die Wildland-Stiftung Bayern – Naturschutzstiftung des Bayerischen Jagdverbands. Auf vier Flächen der Wildland-Stiftung mit insgesamt 11,2 Hektar haben sich extensive Wasserbüffelweiden etabliert. Erst im Jahr 2025 wurde eine in den Vorjahren aufwendig mit Spezial-Mähtechnik gepflegte Nasswiese bei Annathal in eine Büffelweide umgewandelt. Wichtig ist dabei der intensive Austausch mit den Tierhaltern. Mittlerweile sind alle drei Wasserbüffelhalter im Landkreis Freyung-Grafenau in Naturschutz-Beweidungsmaßnahmen eingebunden. Einer von ihnen ist Manuel Lenz aus Hinterschmiding. Acht seiner derzeit 25 Wasserbüffel setzt er in diesem Jahr für Naturschutzprojekte ein.
Beweidung für mehr Biodiversität
Manuel Lenz beweidet mit seiner Herde nun auch die Wildland-Fläche in der Nähe von Annathal. Zusammen mit Naturparkmitarbeitern und dem Tierhalter überzeugte sich Robert Boese, Mitarbeiter der Wildland-Stiftung, in diesem Sommer selbst vom Erfolg der Maßnahme. Boese zeigte sich beeindruckt von der Entwicklung: „Biodiversität und die Schaffung von Trittsteinen für mehr Artenvielfalt mit unseren Flächen ist genau das, was wir als Wildland-Stiftung Bayern und Bayerischer Jagdverband möchten. Und hier ist das auf einem wunderbaren Weg.“ Zudem ist bekannt, dass Offenlandflächen für viele Wildtiere unattraktiv werden, sobald sie verbrachen. Der Grundsatz, dass alle Naturpark-Wasserbüffelweiden auch wilddurchlässig sein müssen, ist natürlich im Interesse der Wildland-Stiftung sowie der durch sie repräsentierten bayerischen Jäger. Einige der Wildland-Flächen gehören ohnehin zu den Naturschutzjuwelen des Landkreises Freyung-Grafenau. Auf der Fläche bei Annathal wurden der Böhmische Enzian und die Waldbirkenmaus nachgewiesen, beide zählen zu den seltensten Arten in Bayern und sind vom Aussterben bedroht. Zudem zählt diese Fläche zu den regional wichtigsten Populationsquellen des Grasfrosches. Beim Thema extensive Beweidung mit Wasserbüffeln oder anderen Naturschutzmaßnahmen ziehen alle Naturschutzakteure im Landkreis Freyung-Grafenau an einem Strang. Die Projekte des Naturparks Bayerischer Wald und der Wildland-Stiftung Bayern werden mit Fördermitteln des Bayerischen Umweltministeriums über die Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinie (LNPR) unterstützt.
Text: R. Boese
Bilder: M. Müller (Naturpark Bayerischer Wald), M. Lenz

