Wildland-Stiftung Bayern wieder im Sudetenhaus Waldkraiburg aktiv

Nur was Kinder mit allen Sinnen erleben, wird auch wirklich wahrgenommen und bleibt im Gedächtnis. Um dem gelebten Naturschutz wieder gerecht zu werden, haben die Wildland-Stiftung Bayern und die Kreisgruppe Mühldorf am Inn den Treffpunkt Wildland auf dem Gelände des Schullandheims „Haus Sudetenland“ wiederbelebt.

Der „Treffpunkt Wildland“ und der „Na-Ku-Wu-Pfad“ sind eine Umweltbildungs-Initiative der Wildland-Stiftung Bayern. Sie wurde 1997 zusammen mit den Jägern der Kreisgruppe Mühldorf am Inn ins Leben gerufen und 2001 mit Beteiligung der Kreisgruppe Altötting als außerschulische Umweltbildungsinitiative angeboten. Der „Na-Ku-Wu“-Lehrpfad wurde im Jahr 2007 gemeinsam mit dem Schullandheim „Haus Sudentenland“ auf einem etwa drei Hektar großen Gelände in Waldkraiburg eröffnet. Unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ wurden im Laufe der Jahre tausende Schüler und Interessierte auf dem Gelände betreut. In regelmäßigen Abständen findet man in vielen Publikationen Klagen darüber, dass Kinder und Jugendliche keine Ahnung mehr von unserer heimischen Natur haben. Zwar kennen sie aus den sozialen Medien oder aus dem Tierpark noch Löwen, Elefanten, Giraffen oder Zebras, aber das heimische Reh können sie nicht vom Rothirsch unterscheiden. Häufig kennen sie mehr Automarken als einheimische Baum- oder Vogelarten. Vom Bedauern dieser Zustände allein wird es jedoch nicht besser. Interesse und Neugier für Flora und Fauna sowie unsere Wildtiere können wir nur wecken, wenn es gelingt, alle diese Themen richtig spannend zu vermitteln.

Im Oktober 2025 konnten wir bereits die ersten Schüler einer Grundschule aus München begrüßen und es sind weitere Termine bis 2026 gebucht. Die beiden Jägerinnen Sonja Hundhammer von der Jagdschule Hundhammer und Michaela Löffl, Öffentlichkeitsreferentin der Kreisgruppe Mühldorf am Inn, haben mit ihrem umweltpädagogischen Bildungsangebot „Schlaufüchse“ sowie der Unterstützung durch die Wildland-Stiftung Bayern und deren Kreisgruppenvorsitzenden Sascha Schnürer ein interessantes und erlebbares Programm zusammengestellt, was alle Sinne der Kinder schärfen soll. Neben einem Pirschpfad, auf dem die Kinder Spuren von Wildtieren entdecken und zuordnen konnten, wurde der Lebensraum von Wildtieren erkundet, die Nahrungskette aufgezeigt und auch die Rolle des Menschen besprochen. Es war den Jägerinnen besonders wichtig, den Kinder die Verantwortung jedes Einzelnen für die Umwelt aufzuzeigen und Pflanzen, Pilze und Tiere mit Respekt zu behandeln. Beim Tierweitsprung durften sich Schüler wie Lehrer mit der Sprungweite von Hase, Fuchs und Reh messen. Ein besonderes „Zuckerl“ für die Kinder hatte Sonja Hundhammer noch dabei: Nach dem erlebnisreichen Programm zeigte die Falknerin den Kindern ihre Wüstenbussard-Dame „Rapunzel“ und der spannende Tag endete mit einer kleinen Greifvogel-Flugschau. Die Schüler waren begeistert und unser Anspruch wurde mehr als erfüllt. Der „Treffpunkt Wildland“ in Waldkraiburg ist wiedererwacht.

Schätze aus dem Isental – Braunkehlchen

Das Braunkehlchen wurde 2023 zum Vogel des Jahres gewählt, was bereits auf seine Gefährdung und Seltenheit hinweist. Früher war das Braunkelchen weit verbreitet und galt als Charakterart einer intakten Kulturlandschaft. Heute ist es in Bayern nur mehr regional verbreitet und laut Roter Liste vom Aussterben bedroht. Blickt man 25 Jahre zurück, so hat sich das Brutareal um mehr als ein Drittel verkleinert. Zudem ist die aktuelle Bestandsentwicklung immer noch stark rückläufig. Auch im Isental ist dieser Trend ganz deutlich zu erkennen. Nur mehr einzelne Tiere sind während des Durchzuges sowie der Brutzeit zu erspähen.Zu erkennen ist der eher unscheinbare, sperlingsgroße Fliegenschnäpper dabei an dem breiten und hellen Streifen über dem Auge. Aufgrund des weißen Überaugenstreifens ist das Braunkehlchen auch als „Wiesen-Kasperl“ oder „Wiesen-Clown“ bekannt. Wie im Spitznamen zu erkennen ist, bevorzugt das am Boden brütende Braunkehlchen offene Wiesenlandschaften mit extensiv genutzten Feuchtgrünland und strukturreichen Brachen oder alternativ auch Weidelandschaften als Lebensraum. Besonders beliebt sind erhöhte Strukturen wie z.B. Hochstauden entlang von Gräben und Brachstreifen, Zaunpfähle und einzeln Büsche als Sitzwarten für Reviergesang, zum Jagdansitz und zum Nestanflug. Entlang dieser Strukturen ist das Braunkehlchen mit viel Glück von April bis September im Isental zu erhaschen. Aktuell befinden sich der Langstreckenzieher im Überwinterungsgebiet südlich der Sahara in Afrika.

Bild: Erwin Wolf, mit finanzieller Unterstützung durch den Bayerischen Naturschutzfonds.

Schätze aus dem Isental – Sumpfschrecke

Aktuell befindet sich die Sumpfschrecke bereits bei der Überwinterung. Um den Winter zu überdauern, wurden im Sommer sogenannte Überwinterungseier in den feuchten Boden gelegt. Ab Mai schlüpfen hieraus dann die ersten Larven, die anschließend bis zur adulten Sumpfschrecke fünf Häutungen durchlaufen. Danach ist die Sumpfschrecke eine der größten und farbenprächtigsten Heuschreckenart. Die Unterseite der Schenkel sind auffällig rot gefärbt. Im hohen Gras sind sie trotz dessen nicht immer einfach zu sehen. Doch die Sumpfschrecke verrät sich meist durch ihren charakteristischer knipsigen Gesang. Die „Knips-Laute“ entstehen dabei durch eine ruckartige Bewegung der Hinterbeine. Genau wie viele andere Arten der Feuchtgebiete profitiert auch die Sumpfschrecke von einem intakten Biotopverbund. Sie ist als ausgewachsene Heuschrecke sehr mobil und besiedelt neue Lebensräume buchstäblich im Flug. Die Sumpfschrecke bevorzugt dabei ein Mosaik aus unterschiedlich feuchten Standorten innerhalb ihres Lebensraums und ist somit charakteristisch für Feuchtgebiete, wie dem Isental. Die Art zeigt eine enge Bindung an Lebensräume mit hohen Grundwasserständen. Im Isental ist die seltenen Sumpfschrecke vor allem in den extensiven Feuchtwiesen, entlang strukturreicher Gräben und an den feuchten Wiesenseigen zu finden. Einige dieser Lebensräume konnten in den letzten acht Jahren über das Projekt Natur.Vielfalt.Isental gesichert und auch wiederhergestellt werden. Anders als viele Arten ist die Sumpfschrecke ein Gewinner in Bezug auf den Klimawandel, wobei der zunehmende Lebensraumverlust durch den Landschaftswandel bedenklich ist. Intensiv genutzte Wiesen meidet die Art jedoch. In Bayern ist die Sumpfschrecke nach der Roten Liste stark gefährdet und somit ein seltener Schatz, den es zu bewahren gilt.

Bildquelle: Sandra Standbridge/stock.adobe.com

Schätze aus dem Isental – Kriechender Sellerie

Der Kriechende Sellerie ist in vielen europäischen Ländern heimisch, doch der Bestand ist meist stark rückläufig. Die konkurrenzschwache Pionierpflanze ist an nasse Standorte gebunden. Störstellen mit offenem Boden sind dabei für den Erhalt des Doldenblütlers essentiell. Nur hier kann sich die Art ansiedeln und erfolgreich blühen. Neben der generativen Vermehrung über Samen ist auch eine vegetative Fortpflanzung über oberirdische Ausläufer möglich. Welche Form vorkommt hängt von der Flächennutzung und den Standortbedingungen ab. So überwiegen bei häufig überfluteten Pflanzen die Ausläufer, während sich die Landformen meist über Samen vermehren. Gefährdet ist die Art u.a. durch die Nutzungsaufgabe und Bewirtschaftungsveränderungen. So ist sie weltweit stark gefährdet. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in Mitteleuropa und hier vor allem in Deutschland, das daher eine hohe Verantwortung für den Schutz und Erhalt hat. Auch im Isental gibt es auf extensive Weideflächen Restbestände. Durch den Fraß, den Tritt und das Suhlen der Wasserbüffel werden offene und lückige Bodenstellen im ehemaligen Niedermoor erzeugt. Durch diese Bewirtschaftung ist es möglich, kleinflächig diesen seltenen Schatz im Isental zu bewahren.

Bildquelle: C. Martin/piclease

Schätze aus dem Isental – Sumpf-Heidelibelle

Sumpf-Heidelibelle

Die Sumpf-Heidelibelle ist in Bayern extrem selten und nach der Roten Liste sogar vom Aussterben bedroht. Die Großlibellenart nutzt Überschwemmungszonen, Auentümpel, Wiesenseigen und Flachgewässer als Lebensraum und ist somit an die natürlichen Gegebenheiten entlang der Isen bestens angepasst. Das Paarungsverhalten der Sumpf-Heidelibelle ist unter allen Libellenarten einzigartig und eine kleine Besonderheit der Biologie. Noch vor Sonnenaufgang machen sich die Männchen auf, um nach den Weibchen zu suchen. Da zu dieser Tageszeit die weiblichen Tiere noch zu träge zum Fliegen sind, rasten diese meist an Binsen oder Seggen im Feuchtgrünland. Ist ein Weibchen ausgemacht, landet auf ihr das Männchen und beiden bilden ein Tandem. Mit der Wärme gegen Mittag wird auch das Weibchen aktiv. Erst jetzt wird gemeinsam als Tandem Richtung Gewässer geflogen. Hier wird die Paarung vollzogen und die Eier vom Weibchen über dem Gewässer abgestreift. Das Ei überdauert dabei im Gewässer den Winter. Erst im Frühling schlüpfen die Larven unter Wasser. Anschließend durchlaufen die Larve achtmal eine Häutung, um sich Weiterzuentwickeln und zu Wachsen. Vergleichsweise zu anderen Libellenarten ist die Anzahl der Häutung hier aber sehr gering sowie die Entwicklungszeit der Larven von etwa sechs bis acht Wochen sehr kurz. Somit ist diese Libellenart bestens an Gewässer angepasst, die im Sommer für eine kurze Zeit austrocknen. Der Schlupf der adulten Tiere ist zwischen Juni und Juli zu beobachten. Fliegend sieht man die Sumpf-Heidelibelle mit ihrer auffälligen Färbung bis in den Oktober hinein. Um die extrem seltene Art im Isental zu fördern, wurden über das Projekt Natur.Vielfalt.Isental neue wechselfeuchte Wiesenmulden angelegt und auch flache Uferstellen an Entwässerungsgräben geschaffen. Ob die neuen Habitate von der Sumpf-Heidelibelle angenommen werden und den Bestand stützen, ist über die nächsten Jahre hinweg zu beobachten.   

Bildquelle: Erwin Wolf, mit finanzieller Unterstützung durch den Bayerischen Naturschutzfonds.