Halbzeit – Auch außerhalb der Fußball-WM

Auch im BayernNetzNatur-Projekt „Natur.Vielfalt.Isental“ ging’s einen Tag vor dem WM-Finale in die Halbzeit, denn die Hälfte der 5-jährigen Projektlaufzeit ist bereits vorbei. Dies nahmen die Projektbetreuerinnen zum Anlass, bei einer  Rundfahrt durch’s Projektgebiet und einer kleinen Feierstunde eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Am Nachmittag konnten sich die Mitglieder der Trägergemeinschaft sowie der Steuerungsgruppe in den Umsetzungsschwerpunkten des Projektgebiets vor Ort einen Eindruck der bisherigen Aktivitäten im Projektgebiet im Isental verschaffen. Die Projektbetreuerin Anja Aigner und der Geschäftsführer der Wildland-Stiftung Bayern erläuterten an den Stationen bei Oberdorfen, im Isenauenpark, im Dorfener Moos sowie in den Wöhrmühlwiesen und im Thalhamer Moos, welche landschaftspflegerischen Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums für Wiesenbrüter wie Kiebitz und Bekassine, aber auch für Libellen- und Amphibienarten durchgeführt wurden bzw. für die kommenden Monate geplant sind und welche Erfolge dadurch bereits erzielt werden konnten. So haben sich nach der Entnahme von Weidengebüschen und der Renaturierung von Wiesenseigen neue Kiebitzbrutpaare angesiedelt, der Brachvogel wurde im Dorfener Moos seit vielen Jahren wieder bei der Nahrungssuche gesichtet und auch Braunkehlchen konnten während der Brutzeit im Projektgebiet beobachtet werden. Im Rahmen einer Kartierung der Libellenbestände konnten außerdem einige sehr seltene Arten wie z.B. die Sumpf-Heidelibelle oder die Keilfleck-Mosaikjungfer im Gebiet festgestellt werden.

Bei einem Empfang am Abend im Gasthaus Stoiber in Sterneck begrüßte der Vorstand der Wildland-Stiftung Bayern, Ltd. MR a.D. Dieter Sedlmayer, die rund 40 Gäste; unter ihnen Erdings Landrat Martin Bayerstorfer, die Bürgermeister der Trägergemeinden, die Vertreter des Bauernverbands, der Kreisjagdverbände, der Naturschutzbehörden, Landwirte und Flächeneigentümer sowie den Vorstand des Bayerischen Naturschutzfonds, Ministerialrat Georg Schlapp.

Als Vertreter der Trägerkommunen richtete Dr. Karl Dürner, Bürgermeister der Gemeinde Schwindegg, Grußworte an die Gäste und appellierte für mehr Vielfalt auf den Wiesen und Äckern um mit mehr Blühflächen auch den Insekten und vielen weiteren Arten unter die Arme zu greifen.

Erdings Landrat Martin Bayerstorfer dankte den Flächeneigentümern für die Bereitstellung ihrer Grundstücke, denn nur dadurch sei es möglich, Maßnahmen zum Erhalt der Vielfalt durchzuführen. Er gäbe darüber hinaus zu bedenken, dass das Wissen darüber, welche Bewirtschaftungsformen für welche Flächen geeignet sind, anscheinend immer mehr verloren ginge. Deshalb sei es umso wichtiger, das Bewusstsein der Bevölkerung für die von der Kultur geprägten Naturlandschaft im Isental zu schärfen. Zum Schluss seiner Grußworte wendet sich der Landrat mit der Bitte an die Anwesenden, weiter um Akzeptanz und Unterstützung zu werben und im Einsatz für die Natur nicht nachzulassen.

Der Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbands (BJV), Thomas Schreder, der gleichzeitig in seiner Rolle als Vorsitzender des BJV-Kreisjagdverbands Erding anwesend war, freute sich sehr darüber, dass an diesem Abend sowohl Landwirte, Jäger, Imker als auch Kommunen und Behördenvertreter an einem Tisch sitzen. Die vergangenen zweieinhalb Jahre würden auch zeigen, dass die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz funktionieren kann und dass es sehr wichtig sei, die Öffentlichkeit und insbesondere die Kinder durch Umweltbildungsaktionen für dieses Thema zu sensibilisieren. Außerdem hoffe, er dass die wichtige Arbeit des Projektmanagements auch nach Ablauf der weiteren zweieinhalb Jahre in einem Folgeprojekt fortgesetzt werden kann.

Ulrich Niederschweiberer, der Kreisobmann des Bauernverbands Mühldorf stellte bei seinem Grußwort heraus, dass ein Umdenken in der Landwirtschaft zu beobachten ist. Allerdings sei dies ein Prozess, der nicht von heute auf morgen stattfinden kann, sondern seine Zeit brauche. Dennoch sei es wichtig, dass alle Beteiligten, angefangen von Landwirten, Jägern, Imkern und Naturschutzverbänden bis hin zu Behörden und Kommunen an einem Strang ziehen, um unser aller Lebensgrundlage zu erhalten.

Der Vorstand des Bayerischen Naturschutzfonds, Ministerialrat Georg Schlapp, freute sich ganz besonders über die Einladung zur sehr gelungenen Rundfahrt am Nachmittag, da er zwar mit den halbjährlichen Verwendungsnachweisen und Berichten einen Einblick in die Entwicklung des Projekts bekäme, doch direkt draußen vor Ort zu sein, ist natürlich noch besser. Er habe als Vorstand des Bayerischen Naturschutzfonds schon viele Projekte kennen gelernt, und dabei haben sich immer wieder drei Erfolgsgaranten herauskristallisiert:

  • ein verantwortungsvoller Projektträger, der hier durch den Zusammenschluss von sogar fünf Kommunen und der Wildland-Stiftung Bayern aus der Menge der Projekte hervorsticht
  • eine geeignete Artausstattung des Projektgebiets, die neben den Wiesenbrütern beispielsweise auch durch seltene Libellenarten gleichzeitig Grundlage und Ziel des Projekts ist
  • nicht zuletzt sind die „Kümmerer“ vor Ort wichtig für den Erfolg des Projekts, was durch den engagierten Einsatz der Projektbetreuerinnen ebenfalls gegeben ist.

Für die Zukunft wünscht er dem Projekt die Verfügbarkeit weiterer Flächen, um dort viele Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt im Isental umsetzen zu können.

Anschließend bedankte sich die Wildland-Stiftung bei tatkräftigen Unterstützern des Projekts: Familie Mangstl aus Wasentegernbach verpachtet zwei ihrer Flächen im Dorfener Moos kostenlos und langfristig an die Wildland-Stiftung Bayern, um darauf Maßnahmen für Wiesenbrüter durchführen zu können. Auch Landwirt Georg Fertl aus Oberdorfen stellt eine seiner Flächen für Maßnahmen zur Aufwertung des Wiesenbrüter-Lebensraums zur Verfügung. Beiden Flächeneigentümern wurde ein kleiner Geschenkkorb sowie eine Urkunde überreicht. Familie Hofbauer, die ebenfalls kostenlos und langfristig eine Fläche an die Wildland-Stiftung verpachtet, konnte leider nicht anwesend sein. Ebenso war Georg Hans, ein Landwirt, Jäger und Saatgutvermehrer aus Mimmelheim, der sich seit vielen Jahrzehnten im Thalhamer Moos tatkräftig für den Erhalt und Schutz von Tieren und Pflanzen einsetzt, leider verhindert.

Abschließend stellten die Projektbetreuerinnen Anja Aigner und Gabriele Starzer ihre Tätigkeiten der vergangenen zweieinhalb Jahre im Projektgebiet vor: Neben Landschaftspflegemaßnahmen wie der Anlage von Wiesenseigen oder Entbuschungen wurden bereits über 2.200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei Umweltbildungsaktionen und Informationsveranstaltungen über das Projekt und die Natur vor der eigenen Haustüre informiert.

Frühlingserwachen im Isental

Der beinahe unverkennbare „kii-witt“-Ruf des sympathischen Wiesenbrüters mit der Federholle auf dem Kopf und der gaukelnde, oft halsbrecherisch anmutende Flug ist aktuell wieder vielerorts über Wiesen und Feldern zu bestaunen: Denn wir sind mitten drin in der Brut- und Aufzuchtzeit der Kiebitze.

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