Bienen, Hummeln, Wespen – Hautflügler im Focus

Insektensterben ist heute in aller Munde. Fachleute und Wissenschaftler weisen bereits seit vielen Jahren auf diese Problematik und ihre möglichen Ursachen hin. Die politische Bedeutung des Artenverlustes an Insekten wird in ihren Ausmaßen noch immer negiert. Die Wildland-Stiftung Bayern wird sich in den nächsten beiden Jahren zusammen mit dem Bayerischen Jagdverband dem Naturschutzjahresthema „Bienen, Hummeln, Wespen“ widmen und die Hautflügler in den Mittelpunkt stellen.

Der Stamm der Insekten umfasst so viele Arten, dass wir den Fokus auf die für Mensch und Tier besonders wichtige Ordnung der Hautflügler begrenzen und uns unter diesen nochmals auf Bienen, Hummeln und Wespen beschränken. Indem wir sie exemplarisch vorstellen, möchten wir dazu beitragen, die biologische Vielfalt, also die Artenvielfalt, und damit auch die Nahrungsbasis vieler Wildtiere zu erhalten.

Bienen stehen als Sympathieträger dieser Insektengruppe voran. Als Bestäuber von über 120 Nutzpflanzen gehören Bienen zu den wichtigsten Nutztieren weltweit. Nach Angaben des Bundesumweltamtes werden geschätzt rund 70 Prozent der weltweit bedeutsamen Nutzpflanzen von Bienen bestäubt. Hierzulande sind es sogar etwa 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen. Dazu gehören fast alle Obstbäume, aber auch Gemüse, Kräuter, Erdbeeren, Raps oder Klee, die erst durch die Bestäubung der Bienen ihre Früchte tragen. Um das Artensterben zu stoppen, brauchen wir die Kräuterapotheke für die Hasen, die reifen Früchte und Samen für unser Niederwild und unsere Singvögel.

Hilfe – einfach und effektiv

Unsere Wildbienen leiden heute besonders unter dem Verlust ihrer Lebensräume und ihrer Nahrungsgrundlage durch die Intensivierung der Landwirtschaft sowie unter Zerschneidung und Versiegelung unserer Landschaft.

Drei Faktoren sind zum Überleben für die Hautflügler ausschlaggebend:

  • ausreichend Nahrungsquellen für die erwachsenen Insekten
  • geeignetes Nistplatzangebot
  • entsprechendes Nahrungsangebot für die Brut und Larven

An erster Stelle hilft die Minimierung von Insektiziden und Pestiziden, also die Vermeidung von direkt tödlichem Gifteinsatz, wie auch von „Unkrautvernichtern“. Eine extensive Flächenbewirtschaftung fördert die biologische Vielfalt, auch der Wildbienen.

Mit der Anlage von Blühflächen, blühenden Wegrändern und Säumen, mit mehr Wildnis im eigenen Garten oder selbst im eigenen Balkonkasten können wir zu mehr Nahrungsquellen für unsere Wildbienen beitragen. Wildblumen liefern Nektar für die erwachsenen Insekten und entsprechende Nahrung für die Larven. Viele Wildbienen und Hummeln bauen ihre Nester im Boden, in Pflanzenstengeln oder Hohlräumen in Mauerritzen. Offene Bodenstellen sind deshalb genauso wichtig wie das Belassen von Pflanzenstengeln auch über den Winter. Insektenhotels können vielen Wildbienen einen Nistplatzersatz anbieten. Der beste Schutz ist jedoch immer der Erhalt der natürlichen Lebensräume.

Die Hautflügler

Im Stamm der Insekten bilden die Hautflügler die eigene Ordnung der Hymenopteren. Die Systematik der Hautflügler ist sehr umfassend, einzelne Arten sind nur unter dem Mikroskop bestimmbar. Alle Arten der Hautflügler sind geschützt.

In Deutschland sind rund 580 verschiedene Arten allein an Wildbienen bekannt. Von wenigen Millimetern bis zu drei Zentimeter reicht ihre Körpergröße. Viele der Wildbienenarten ernähren sich rein vegetarisch, indem sie Pollen und Nektar sammeln. Andere, darunter viele Wespenarten, ernähren sich auch räuberisch von anderen Insekten oder tierischem Eiweiß. Zur Bestäubung vieler Wildpflanzen hat sich im Laufe der Evolution häufig eine enge Wechselbeziehung zwischen Insekt und Pflanze entwickelt, die für das Überleben beider entscheidend ist: ohne Bestäubung keine Pflanzensamen und ohne Blütennahrung kein Insektennachwuchs.

Einzeln oder in der Gemeinschaft

Die bekannteste und sicher am besten erforschte Art ist die Honigbiene, um die sich die Imker kümmern. Bienen, wie auch viele Wespen oder Hornissen, leben in hochspezialisierten sozialen Staatengemeinschaften. Im Gegensatz dazu leben viele Wildbienen und Hummeln solitär, das heißt, einzelne Weibchen legen ihre Eier zusammen mit Nahrungsvorräten in kleinen Nestern ab. Einige Arten betreiben Brutfürsorge, legen Nahrungsreserven an und verteidigen ihre Nester mit dem Nachwuchs. Andere Arten leben parasitär, wie beispielsweise die Kuckucksbienen, die ihre Eier in fremde Bienennester legen und versorgen lassen. Parasitismus unter Insekten ist weit verbreitet und zum Teil hochspezialisiert.

Der Beitrag wurde in der „Jagd in Bayern“ veröffentlicht und kann als pdf heruntergeladen werden.

Titelbild: Honigbiene - Ingrid Altmann/piclease

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